Die Hand auf meiner Haut

 

Mein Vater saß ausgebreitet im Sessel.

Majestätisch.

Er thronte herrschaftlich.


 

Ob ich mich damals an ihn heranschlich –

leise, vorsichtig, behutsam –

oder in ihn flink hineinsprang,

weiß ich nicht mehr genau.


 

Ich wollte den Sessel erobern.


 

Ich neckte ihn mit meinen Händen,

wollte ihn auffordern.

War es ein Kitzeln,

ein Hauen, ein Kneifen,

ein Ziehen und Halten?


 

Es war dumpf, dynamisch, kraftvoll.

Ich spürte die Nachgiebigkeit seines Körpers,

wie er federte.

Den Kontakt – wie eine Decke.


 

Sah die dunklen Stellen,

während mein Gesicht sich in Löcher presste.

Roch meinen eigenen Atem,

den ich in mich zog.


 

Ich erinnere mich an mein Gefühl:

freudig, energetisch,

ungehalten, frei.

Kraftvoll.

Suchend.


 

Ich spürte mich –

in meinem Blut,

in meinem Rumpf,

in den Muskeln.


 

Dann – Stille.

Schweigen.

Kein Atem.

Kein Herzschlag.


 

Ich griff zu den Haken,

den ich nur auf Zehenspitzen erreichte.


 

Zittrige Beine.

Laufen.

Anhalten.

Stützen.

Setzen.

Wieder zurück.


 

Meine Haut brannte.

Ich schluchzte –

mal haltend,

mal tönend.


 

Zaghaft bewegte ich den Stoff,

fragil, in filigranen Zügen,

als könnte ich etwas zerbrechen.


 

Meine Haut war feucht.

Ich starrte in die Höhe des Raumes,

blendendes Licht.

Neigte langsam den Kopf.


 

Rote Streifen.

Ein Handabdruck.

Gewölbt.

Wie eine zugefügte Schicht.


 

Meine Finger tasteten vorsichtig.

Ich tippte,

streichelte.


 

Es schmerzte.

An mir.

In mir.

Tief.

Gesättigt.

Schwerelos.


 

Ich wollte weg.

Nicht mehr hier.

Ein Drang –

ein inneres Ich will hier nicht bleiben.


 

Meine Augen fanden die Tür zum Dachboden.

Vielleicht war sie an diesem Tag verschlossen.


 

Steile, dunkle Stufen.

Es knarrte.

Kühle.


 

Ein großer, leerer Raum,

grauer Beton,

verkantete schwere Balken,

turmhohe Tücher.


 

Durch eine kleine Luke

mit splittrigen Farbschichten

fiel ein Lichtstrahl.


 

Und darin tanzten Glühwürmchen.


 

Hier war Atem.


 

Ein Geruch von Stille.

Von Ruhe.

Von Nichts.


 

Es legte sich in mich

wie ein Teppich.


 

Ich war in mir.

Allein.


 

Es gab keine Berührung.

Keinen Trost.


 

Verschämt horchte ich nach Bewegungen.

Lauschte.

Alle waren da.

Niemand kam.


 

Und ich blieb hier –

an diesem geheimen Ort,

der mir gehörte.


 

Er verzauberte mich.


 

Doch die Hand

auf meiner Haut

erreichte er nicht.


 

Sie blieb still in mir.

Als Abdruck.

Manchmal blitzte sie

vor meinem inneren Auge.


 

Ich mied körperliche Nähe.

Zu doll.

Zu viel.

Zu wuchtig.


 

Und doch –

wenn es da war,

dieses weiche Gefühl:

nährend, spürend,

warm.


 

Nähe.

Glück.


 

Dann zuckte es mich manchmal.

Nahm mir Atem.

Mal mit Traurigkeit.

Oder Trauer.


 

Und was ich nie verstand:

da schlich etwas in mir,

eine stille Wachsamkeit,

ein leichtes Beben –

das Bemühen um eine kleine Höhle

in der Weite von Nähe.


 

Eine Ratlosigkeit.

Zerteilt.

Unwirklich.

Sabotierend.

Unsichtbar.

Deutlich.

Ein Antrieb.

 

 


 

Die zerstörerische Kraft

in meinem schönen Gefühl.


 

Die Hand auf meiner Haut.


 

 

 

Bindungstrauma im Körper

Von der Erinnerung im Körper und dem Widerspruch von Nähe.

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