Doppelter Boden

 


 

Ich bin offen.

Freudig.

Neugierig.


 

Zapple in mir.

Möchte wissen,

was es mit dir auf sich hat.


 

Seh dich.

Bin aufgeregt.

Wir tasten – vibrierend.


 

Dann kommen die Impulse.

Die mich berühren.

Intuitiv.

Körperlich.

Öffnend.

Weitend.


 

Deine wache Art.

Dein offener Blick.

Dein weiches Wesen.


 

Ein offenes Feld in mir.

Eine Resonanz.


 

Ich beobachte.

Erkenne:

Du bist zart in deiner Struktur.

Ich darf nichts tun,

was dich ins Wanken bringt.


 

Und stark in deinem Willen.

Ich darf nichts tun,

was dir deine Freiheit nimmt.


 

Ich spüre es deutlich.

Mit einem Lächeln. Still.


 

Ich höre, was du sagst,

nehme es auf,

lege es leise in mir ab.

Es passt.

Es ist leicht.


 

Und ich höre,

was du nicht sagst.

In den Zwischentönen,

in deiner Stimme,

deinem Körper,

dem Rhythmus deines Atems.


 

Dein Nicht-müssen-Wollen.

Und darin verborgen –

dein Geheimnis nach Nähe.


 

Ich erkenne mich.

Finde mich in der Schwingung zu dir.


 

Manchmal sehe ich dich suchen.

Nicht nach mir –

nach etwas, 

das du nicht kennst.

In mir regt sich ein Sog.

Ich drücke ihn weg.


 

Du suchst dort,

wo es nicht möglich ist.

Und ich fühle:

Mit mir wäre es möglich.


 

Mein Gespür liest dich –

die harten Töne,

die weichen.

Ich wandle sie in eine Botschaft,

die sich geschmeidig in mir einbettet.


 

Was du willst,

will ich auch.


 

Mein innerer Raum weitet sich.

Ich gebe dir.

Fühle den Ort,

an dem wir uns begegnen können –

tief,

nah,

ganz,

frei.


 

Es braucht keine Worte.


 

Doch im Dazwischen

finde ich dich manchmal nicht.

Dann kribbelt es in mir.

Spüre meine Unsicherheit

und deine Angst,

verletzt zu werden

oder dich zu verlieren.


 

Ich halte den Raum,

damit du bleiben kannst –

mit Stille,

mit Zeit.


 

Wenn wir uns begegnen,

ist er da:

geweitet, atmend,

ein weiches Fließen unter der Haut,

ein stilles Glück.


 

Manchmal wirst du so weich –

dann atme ich leiser,

damit ich bleiben kann.

Auch du.


 

Doch deine Worte bleiben verrätselt.

Manchmal stolperst du,

und ich halte den Atem fest.


 

Es ist deins.

Es ist meins.


 

Ungeduld,

die mich treibt,

obwohl ich nicht will.


 

Wir gehen weiter –

zart, offen, verletzlich.

Mit jedem Schritt

wird es wärmer, weiter.

Wir atmen in die Nähe.

Manchmal wackelt es in mir,

manchmal in dir.


 

Wir bleiben.

Sichtbar.


 

An einem Ort,

den keiner von uns kannte,

wo alles möglich scheint.


 

Ich möchte konservieren –

jeden Moment,

jeden Atemzug.


 

Du:

Kein Gestern.

Kein Morgen.

Nur Jetzt.


 

Und zwischen 

Festhalten und Loslassen,

unter der Wärme,

unter der Weite,

spüre ich etwas:

Es trägt uns,

es ist fest –

aber es federt anders,

schwingt anders.


 

Ich höre deine Pausen

zwischen den Worten.

Sehe, wie dein Körper

aufhört zu atmen. Kurz.

Wie deine Hände still werden,

bevor sie wieder zu mir finden.


 

In mir regt sich ein Drang,

dir das zu nehmen,

bevor du fällst,

oder gehst,

oder dich zurückziehst.


 

Ich will nicht,

dass du dich anpasst.


 

Und dabei ist es leicht –

ohne zu fragen,

ob ich es will.


 

Mein Atem gleicht sich an,

findet deinen Takt,

schmiegt sich hinein.


 

Und doch wird es enger in der Brust,

als würde etwas von mir

zurückweichen,

damit du bleiben kannst.


 

Und du hörst meine Pausen,

meinen Atem stocken.


 

Möchtest es mir nehmen,

bevor ich falle,

oder gehe,

oder mich zurückziehe.


 

Du willst nicht,

dass ich mich anpasse.


 

Dein Atem gleicht sich an,

findet meinen Takt.


 

Doch es wird enger in dir,

als würde etwas zurückweichen,

damit ich bleiben kann.


 

Wir tasten nach der richtigen Entfernung.

Nicht zu nah.

Nicht zu fern.

Geben etwas ab

und nehmen etwas auf.


 

Im verkörperten Wissen:

Ich muss.

Es bleibt verborgen, intuitiv.

Nicht gewollt.

 

Ich will nicht,

dass du es merkst.


 

Und im Schweigen

treffen wir uns.

Können tiefer atmen,

uns berühren

und bleiben.


 

Du hältst meine Unsicherheit in dir,

wie etwas Kostbares,

das nicht erschrecken darf.


 

Und ich behüte deine Angst,

Sie darf nicht wach werden –

damit du bleibst.


 

Doch manchmal

wird das Schweigen hart.


 

Dein Blick trifft mich,

als würde er etwas wissen,

das ich selbst nicht sagen kann.

Ich weiche aus.

Du willst ihn behalten.


 

Dann finden wir Worte,

die einschnüren.

Fesseln.


 

Vor.

Zurück.

Vor.

Zurück.


 

Blicke, Worte.


 

Festhalten.

Loslassen.

Festhalten.

Loslassen.


 

Wir bauen,

was der andere braucht –

und verlieren,

was wir selbst sind.


 

Wissen nicht mehr,

ob wir stehen

oder fallen.


 

Fühle Fetzen in mir:

Das Wahre.

Den Atem.

 

Die Enge in mir.

Scham.

Schuld.

 

Ich brauche dich.

Doch das will ich nicht.

 

Passe mich an

und lehne es ab.

 

Das ist nicht richtig.


 

Es pocht, poltert, rüttelt.


 

Wir geben,

was wir selbst nicht suchen.

 

Finden uns dort,

wo wir nie hinwollten.

 

Und sind da,

weil wir es kennen.

 


Es wird nie genügen. 

 

Ich will nicht deine Antwort sein.

Und doch tue ich alles,

damit ich es bin.

 

In meinem Anker,

in meinem Halt.


 

Im doppelten Boden.


 


 

Bindungstrauma in Spuren

Der doppelte Boden zwischen Anpassung und gegenseitiger Regulation

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