Halt
Ich versuche dich zu halten.
Ich will dich nicht verlieren.
Ich tue alles, was ich kann –
und merke dabei nicht,
dass ich längst aufgehört habe,
ich selbst zu sein.
Ich ringe um Nähe
und verliere mich in deiner Ferne.
Trage deine Last für dich
und wünschte,
du würdest ihr begegnen.
Ich wünschte,
du hättest den Mut,
zu zeigen, was in dir ist:
das Hilflose,
das Kleine,
Bedürftige,
das, für das es keine Antworten gab.
Keinen Trost.
Ich wäre da.
Ich wünschte,
du könntest es halten,
wenn dich etwas verletzen würde -
das zu laut, zu roh,
zu wuchtig erscheint.
Doch ich sehe deinen Körper,
wie er erstarren kann,
wie es dir den Atem nimmt –
und ich friere innerlich mit.
Ich möchte dich erreichen,
dir zeigen,
dass du nicht allein bist.
Aber ich weiß:
Solange du dich selbst nicht spürst,
wirst du auch mich nicht fühlen können.
Ich wünschte,
du könntest dir selbst begegnen.
Dem Verborgenen in dir.
Dem dahinter
und mittendrin.
In deinem Versteck.
Dem,
was schon längst berührt wurde.
Sich regt und zappelt und streckt.
Ich sehe deine Suche nach einer Lösung -
außerhalb der Angst,
die dich bleiben lässt.
Ich sehe,
wie du dich dann selbst wegschiebst,
mir dein Inneres zeigst
und dich gleichzeitig verlässt.
Wie du verlangst
nach einer Antwort von mir.
Doch dann weiß ich nicht mehr,
wo ich dich berühren darf.
Ich sehe dich,
aber ich spüre dich nicht mehr.
Ich möchte dich rufen,
laut oder leise –
Ich finde dich nicht
und verliere mich dabei.
In dir. Für dich.
Mache Schritte,
die nicht meine sind,
während das Gefühl
in meinen Beinen schwindet.
Hoffe,
dass du bald wieder bei mir bist,
damit wir uns begegnen können.
Ganz.
Doch es wird zu schwer für mich.
Ich kann nicht halten,
was du nicht halten willst.
Kann dich nicht tragen
und mich gleichzeitig spüren.
Und ohne mich
Kann ich nicht bleiben.
Ich fühle mich erschöpft
und brauche deine Nähe.
Doch ich fürchte,
zu viel zu sein.
Es beschämt mich.
Ich will gehalten werden,
weil ich mich selbst nicht halten kann.
Und zugleich -
will ich es nicht.
Du spürst es –
diese Schwingung,
die dir sagt: „Ich brauche dich.“
Du möchtest mich erreichen,
mir zeigen, dass ich nicht alleine bin.
Ich spüre, dass ich langsam falle.
Halte mich an dir fest.
Du gibst mir Halt –
und ich merke,
wie schwer ich werde.
Wie sehr ich mich an dich verliere.
Ich will nicht,
dass du fällst
und liegenbleibst.
Und ich -
ich kann nicht stehen.
Ich will zurück in meine Kraft –
aber ich finde sie nicht.
Und dabei trägst du meine Last.
Machst Schritte,
die nicht deine sind,
während das Gefühl in deinen Beinen schwindet.
Hoffst,
dass ich bald wieder bei mir bin,
damit wir uns begegnen können.
Ganz.
Du siehst,
wie ich verlange nach einer Antwort.
Doch dann weißt du nicht mehr,
wo du mich berühren darfst.
Du spürst mich nicht mehr.
Und dabei verlierst du dich.
In mir. Für mich.
Und der Boden
unter unseren Füßen entschwindet.
Wir versuchen zu halten,
mit Kraft,
die schon längst verzehrt
und nur noch gewollt ist.
Die Grenzen versinken.
Und somit wir.
Und ich wünschte,
ich hätte den Mut gehabt,
zu zeigen,
was in mir ist:
das Hilflose,
das Kleine,
Bedürftige,
das, für das es keine Antworten gab,
keinen Trost.
Du wärst da.
Ich wünschte,
Ich hätte mir selbst begegnen können.
Dem Verborgenen in mir.
Dem dahinter
und mittendrin.
In meinem Versteck.
Dem,
was schon längst berührt wurde.
Sich regt und zappelt und streckt.
Aber ich konnte es nicht halten,
ohne zu verschwinden
oder laut, roh und wuchtig zu sein.
Ich wünsche mir meine eigenen Füße.
Möchte fühlen –
auf rauem Boden,
samtig,
steinig,
mit Stolpern,
mit blauen Flecken,
mit Schuhwerk und barfuß.
Ich will gehen –
in meinem Tempo,
mit meinen Schritten,
auf meinem Weg.
Und ich wünschte,
du würdest mit mir gehen,
auf deinen Füßen.
Mit Stolpern,
mit blauen Flecken,
mit Schuhwerk und barfuß.
Ich wünschte,
ich könnte bei dir sein.
Dich halten,
wenn du es nicht kannst.
Auf meinen inneren Boden.