Last

 

 

Die Last in mir.

Ich spüre sie.

Schwer. Drückend.


 

Sie dehnt sich aus

in meinem Brustraum.

Ein Behältnis

umhüllt von bleibendem Dunst –

hart im Kern.

Mit meiner Geschichte.


 

Sie behauste mich.

Ein in Schmutz getränkter Lappen,

gestopft zwischen meinen Rippen.

Sie zog an meinen Schultern,

kroch in den Nacken.

Härtete meinen Rücken,

verbleite meine Beine.


 

Manchmal pulsierte sie.

Manchmal lag sie nur da –

liebend zugewandt,

wohlig ausgebreitet.

Oder unbeweglich,

wie ein Steinbrocken

auf meinem Brustbein.


 

Ich kenne sie,

seit ich mich erinnern kann.

Nie anders.

Geerbt.

Selbstverständlich da.

Immer in meinem inneren Raum.


 

Und ich ahne,

wie es war,

als ich sie in mir trug.

Verkörpert.

Eins.


 

Mit Gewicht.


 

Erinnere, 

Wie ich suchte  

 - draußen -

nach einem stillen Ort,

einer Höhle.

Nur ich.

Allein.

Damit sie sich löst,

sich befreit.


 

Doch das tat sie nicht.

Sie blieb.


 

Und ich spüre

die Traurigkeit,

die sie wie eine dünne Haut einhüllte.


 

An Momente,

in denen sie mir den Atem nahm –

wie Sand,

der sich in meine Lunge schob.


 

An das Zuviel

in lauten Tönen,

deren Hall den Raum enger machte.

An das Zuviel

in leisen Tönen,

deren Echo in mir schwebte.


 

Wut.

Traurigkeit.

Last.

Alle waren Freunde.

Und ich dachte:

Das bin ich.


 


 

Fühlte mich fremd.

In der Welt.

In mir.


 


 

Wenn jemand etwas von mir wollte –

ich sollte doch,

müsste doch –

pochte es in meinem Körper:


 

Erdrückend.

Erstickend.

Geh weg.


 

Manchmal errichtete ich

eine Mauer aus Beton in mir,

damit sie nicht wachsen konnte.


 

Manchmal presste ich sie dicht an mich,

als wäre sie ein Kind,

das ich beschützen müsste.


 

Sie hatte nie einen Namen.

Ich trug sie.

Kein Außen.

Nur Innen.


 

Sie lehrte mich:

nicht zu zögern,

nicht zu fragen.

Nur zu wissen,

zu tun,

zu halten.


 

Sie streichelte mich:

Mit mir in dir,

bist du sicher.

Geliebt.


 

Ich nährte sie

mit meiner Genügsamkeit,

mit meinem Schweigen.

mit dem Streben,

alles können zu wollen.


 

Das war kein Müssen.

Sondern ein Wille.


 

Und ja –

es gab sie:

die Momente der Leichtigkeit.

Im Bauen -  

aus verwirbelten Ästen und Blätterlaub,

im Klettern an steilen Hängen,

im Springen über verbotene Bäche.


 

Doch sie fand mich wieder.

Immer.


 

Ich erkannte sie nicht.

Sie machte mich wichtig –

und das war bedeutsam.

Und wenn sie mir zu viel war,

sagte sie:

Halte mich.

Verbessere dich.


 

Manchmal dachte ich:

Ich bin’s –

die Last.


 

Heute schwebt sie wie ein Ballon an meiner Seite.

Sie zieht mich an wie ein stiller Sog.


 

Mit den alten Sätzen:

Du musst.

Leisten.

Kümmern.

Übernehmen.


 

Und einer leisen Angst:

Werde ich es merken?

Wenn sie auffordern.

In die Schwere, 

die ich nie benennen konnte.


 

Doch ich weiß:

Ich fühle sie –

verkörpert,

mit einem Namen:


 

Last.


 

Und mit dem Wissen,

wie es war,

als sie noch in mir wohnte,

finde ich Demut.

Traurigkeit.

Und Stolz.


 

Es ging nicht anders.

Ich überlebte.


 

Und vielleicht verliert der Ballon

noch Luft.

Leise.

Vielleicht fliegt er auch

davon.


 

Bindungstrauma im Körper

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