Mein Kokon

Du bettest ein.

Samtig weich.

Beschützend.

Wärmend.

Geborgen.


 

Umhüllend,

mit fein gewobenen Netzen,

die Atem geben.

Du nährst Leben –

nicht wachsend,

aber bewahrend.


 

Du trägst stille Kraft in dir.

Kannst mitschwingen,

halten,

anspannen,

hart werden.

Im Widerstand,

in meinem Takt.


 

Du bildest neue Schichten,

so weich,

dass das Innere

kaum fühlbar bleibt.

Auch das tust du

aus Kraft.

Aus Würde.

Dann hältst du Atem,

bis ich dich wieder brauche.


 

Manchmal schneidest du mich ab

von meinen Gefühlen,

meinem Leben,

von mir selbst –

damit ich leben kann.

Manchmal bist du Schweigen

zwischen mir und der Welt,

ein Mantel aus Not,

ein Abschied vom Fühlen.


 

Und doch:

deine Stille trägt Treue.

Deine Dunkelheit hält Wärme.

Dein Schweigen ist kein Ende –

sondern ein Warten.


 

Du bist eine Haut,

die wachsen kann,

ein Zwischenraum.

In der Mitte 

von Wunde und Leben.


 

Du gabst mir Trauer,

wo ich sie nicht fühlen konnte.

Abschied,

wo ich nicht gehen konnte.

Nähe, wo keine da war.

Du hast Schmerz

in ein sanftes Nest verwandelt.


 

Das Kostbarste in dir

blieb verborgen:

Unschuld.

Das Kleine,

das nicht fallen durfte.


 

Lange sah ich dich als Last,

als etwas Zerstörerisches.

Doch nicht du warst das Fremde.

Du warst mein Ich.


 

Du hast dem Fremden

einen Platz gegeben –

außerhalb von dir,

mit Stimmen von Trauer und Wut,

mit Mauern, Sätzen, Antreibern,

die mich jagten,

damit ich nicht zerfiel.


 

Heute erkenne ich:

du hast bewahrt,

getragen,

gehalten,

was nicht zerbrechen durfte,

was ich nicht konnte.


 

Jetzt willst du dich verweben.

In der Weite.

Laut und leise.


 

Atmend.

Werdend.

Mit mir.


 

Du bist nicht meine Schwäche,

nicht meine Last.


 

Nicht gegen mich.

Du bist für mich.


 

Verkörperte Weisheit. 

Mein Schutz.

Meine Kraft.

Still.

Treu.


 

Und deine Begleiter

haben das Leben bewahrt

über all die Jahre.


 

Du hast gewartet,

bis ich kann.


 

Jetzt trage ich dich.

Deine Hülle darf sich lösen.

Mit feinen Rissen 

und zarten Lichtfäden,

verwoben in meine Fasern.

In mein Blut -

durch Zeit,

Atem,

durch Berührung.


 

Nun darf ich selbst bewahren,

was du einst geschützt hast:

mich.


 

Du, mein Kokon.


 


 

Bindungstrauma verstehen

Schutzmechanismen als Hülle des Überlebens

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