Wurzeltief

 

  

Ich weine.

Nicht aus Schmerz.

Nicht aus einer Verletzung.

Nicht aus Hoffnung oder Sehnsucht.

Nicht in Leere –

sondern in Fülle.


 

Ich weine nicht,

weil ich etwas verloren habe.

Sondern,

weil etwas berührt wurde,

das bleibt.


 

Etwas, das still in mir lebt –

jenseits von Nähe,

jenseits von Trennung.

 

Etwas, das verkörpert ist.


 

Ich spüre die Tiefe.

Spüre,

wie sich etwas in mir

verwurzelt hat.


 

Es wächst weiter.

Auch ohne dich.


 

Ich weine in meiner Mitte.

 

Und von dort aus fällt kein Urteil.

Dort ist kein ausweichendes Nein –

sondern ein stilles Wissen.

Ein inneres Ja.

 

Nicht gedacht,

sondern gefühlt.


 

Ich weine, 

weil ich weich bin.

Weil du da warst.

 

Und du gehalten hast,

was ich selbst nicht konnte.

Und ich getragen habe,

was du nicht tragen konntest.


 

Weil sich etwas bewegt hat.

In der Weite.

Du dich verloren hast.

Weil ich es gespürt –

aber nicht wahrhaben wollte.


 

Und ich schwieg –

aus Angst.

Wie du.


 

Ich weine,

weil ich nichts festhalten muss,

was in mir wohnt.

 

Weil ich nicht loslassen kann,

was längst Teil von mir geworden ist.


 

Weil ich verwurzelt bin.


 

Nicht,

weil ich dich verloren habe.

Sondern,

weil ich mich gefunden habe –

in dem leisen Dazwischen.

In einem Raum,

der sich öffnet.

Der war.

Der bleibt.


 

Weil das Verletzliche in mir

sich bei dir sicher fühlte.

Und das Verletzliche in dir –

bei mir.


 

Weil in meinem Fühlen

und in deinem

eine gemeinsame Wahrheit lag.


 

Weil das,

was mich hat spüren lassen:

Ich darf.

Ich kann.

Ich will.

Ich bin. –

auch dein Wir war.


 

Ich weine,

weil es verwurzelt ist.

Weil es echt war

und immer noch ist.

 

Weil ich lebendig bin –

durch dich

und ohne dich.


 

Ich spüre kein Verzeihen,

sondern Liebe

mit einer Grenze.

In einem Versuch zu halten,

was ging –

und was nicht.


 

Kein Zuviel.

Kein Zuwenig.

Ein Genug.


 

Weil das, 

was immer in mir war,

durch dich sichtbar wurde.

Sich zeigen durfte.

Da sein durfte.

Gesehen.

Gehört.

Gelebt.

 

Und weiterlebt.

Mit dir.

Ohne dich.


 

Weil in der trennenden Umarmung

noch Verbindung lebte.

Und ich spürte:

Ich werde fallen –

und doch bleibt etwas.


 

Verwurzelt.


 

Ich liebe dich nicht mehr

in Worten,

nicht in Berührungen,

nicht im Gemeinsamen.

Ich liebe dich

in dem,

was in mir weiterlebt –

still, kraftvoll,

wahr.


 

Auch wenn du nicht darüber sprichst,

es vielleicht nicht fassen kannst,

dich davor beugst:

Dein Körper weiß es.

Deine Seele weiß es.

So wie meine.


 

Denn es hat berührt,

was längst da war.

Und dort,

wo Wahrhaftigkeit gesucht wurde,

wachsen Wurzeln.


 

So wie in mir.

So auch in dir.


 

Und sie wachsen weiter.

Auch ohne uns.


 

Ich brauche keine andere Antwort.

Denn ich spüre es –

 

wurzeltief.


 

 

Bindung und Trauma im Wandel

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